Rezensionen

Roger Boyes: My dear Krauts. Wie ich die Deutschen entdeckte.

Roger Boyes ist Deutschlandkorrespondent der Times. In seinem Buch "My dear Krauts. Wie ich die Deutschen entdeckte." beschreibt er sein Leben in Deutschland mit uns, den Deutschen, natürlich immer aus der Sicht des dazugereisten Briten. Und wie wohl in jedem Buch über die Deutschen, sind die üblichen Klischees und Vorurteile vorhanden. Boyes bringt keine neue Erkenntnisse rüber, sondern gibt nur die gängigen Klischees, wie Sauerkraut, unfreundlich, Lederhosenträger wieder. In diesem Sinne passt der Buchtitel überhaupt nicht. Nun aber erst einmal kurz zum Inhalt.
Der Vater des Protagonisten ist verschuldet und so versucht der Sohn, der selber nicht viel Geld besitzt, neue Einnahmenquellen zu erschließen. Nein, er begeht keinen Banküberfall, sondern er versucht sich reich zu verheiraten. So geht er auf ein Speed-Dating, lässt dort zum Übel der Veranstalter viele heulende Frauen zurück, nimmt am Berlinmarathon teil um einer Frau zu gefallen und fährt nach Bayern um für die Times eine wichtige Story über Hitlers Kellner zu schreiben.
Da wären wir also wieder beim Thema, Boyes scheint irgendwie nichts anderes einzufallen, als alte Klischees und den zweiten Weltkrieg in den Roman hineinzupacken. Er versucht dies durchaus humorvoll und man kann in manchen Szenen auch Lachen, aber im Grunde ist es kein gutes Buch.
Mir hat es eindeutig nicht gefallen, es liegt nicht am Thema, sondern viel mehr daran, dass man nicht erkennen kann, was der Autor beabsichtigt. Laut Titel geht es um die Entdeckung der Deutschen, aber das Buch stellt sich eher als ein verkappter Liebesroman heraus. Gewürzt mit britischen Humor, Klischees und einen Rückblick auf die Deutsche Geschichte.
Ich habe schon öfters Bücher gekauft, nach dem Klappenumschlag so auch dieses. Aber selten wurde ich so enttäuscht.

27.3.08 20:32, kommentieren

Voltaire: Candide oder der Optimismus

Voltaires philosophischer Roman "Candide oder der Optimismus" kehrt die Leibnizsche These von "dieser Welt als der besten aller möglichen" ins ironische um. Er stellt die Welt als eine fragwürdige Konstruktion dar. In den dreißig Kapiteln des Roman lässt Voltaire seinen Candide, der durch seinen Lehrmeister Pangloss davon überzeugt ist, dass alles was in der Welt geschieht, nur für den Mensch gut ist, auch die Katastrophen, erlebt ein Auf und Ab in der Geschichte.
Candide, wird aus seinem Heimatort in Westfalen vertrieben, da er sich in die schöne Kunigunde verliebt hat. Mit dem Lebensmotto von Pangloss, begibt er sich auf seine Reise, immer mit den Gedanken im Hinterkopf ihm wird nur Gutes widerfahren. Seine Reise führt ihn in die Hände der Bulgaren, nach Portugal, wo er seiner geliebten Kunigunde wiederbegegnet, der all seine Liebe gehört. Sie befindet sich unter der KOntrolle des Großinquisitors und eines Juden. Um Kunigunde zu befreien, bringt er beide Gegner um und flüchtet mit ihr nach Südamerika. Dort gelangt er in die Hände von Kanibalen und findet das sagenhafte Land "Eldorado", in dem die glücklichsten Menschen der Welt leben. Aber da er wieder auf der Suche nach seiner Kunigunde ist bricht er auf. An einem Seehafen angekommen will er mit dem nächsten Schiff wieder zurück nach Europa, genauer nach Venedig. Aber wie sollte es auch anders sein. Candide wird Opfer von Seeräubern und fast sein ganzes Gold aus Eldorado geht ihm verloren. In Venedig angekommen lernt er den Gelehrten Martin kennen, der ihm deutlich macht, dass die Welt nicht nur auf Gutes ausgerichtet ist, sondern das sowohl ein gutes als auch ein böses Prinzip existiert. Auf seiner weiteren Suche nach Kunigunde, nach dem er sie nicht in Venedig vorgefunden hat wie erhofft, macht er sich auf nach Konstantinopel. Dort findet er sie wieder, auch wenn sie nicht mehr die Schönheit ihrer Jugend hat, heiratet er sie, da er es ihren Bruder versprochen hat. In Konstantinopel erkennt er dann schließlich, dass einem nicht alles in den Schoß fällt, sondern man fürs Überleben arbeiten muss.
Voltaires Candide beschreibt nicht nur das Erdbeben in Lissabon, den siebenjährigen Krieg, sondern zeigt auch den Weg der Aufklärung. In diesem Jahrhundert wurde die Theologie und die Philosophie neu definiert. Es scheint nur noch das wirklich zu sein, was auch Tatsache ist. Ein weiteres Merkmal des Buches sind das immer wieder plötzliche Auftauchen von längst totgeglaubten Personen, wie Pangloss. Candide oder der Optimismus ist ein meisterhaftes Buch, welches sehr deutlich Kritik an Politik und GEsellschaft des 18. Jahrhundert übt. Wer sich für die Zeit der Aufklärung interessiert, bekommt in den dreißig Kapiteln einiges über die Voltairschen Ideen vorgetragen.

25.3.08 20:39, kommentieren

Rita Mae Brown: Schade, dass Du nicht tot bist.

Mit diesem Roman beginnt die Krimi-Reihe um die Katze Mrs. Murphy, den Corgi Tee Tucker und ihrem Frauchen, Mary Minor "Harry" Harristeen, einer jungen Posthalterin. Harry, die junge Posthalterin von Crozet (Virginia) liest unheimlich gerne die Postkarten ihrer Mitbürger, obwohl sie dies eigentlich nicht tun sollte. Und gerade diese Neugier führt dazu, dass sie sich in die Mordermittlungen im Todesfall Kelly Craycroft, ein angesehener Geschäftsmann Crozets einschaltet. Sehr zum Leidwesen des örtlichen Sheriffs. Mit von der Partie sind natürlich Mrs. Murphy und Tee Tucker, die ihr Frauchen nie aus den Augen lassen, denn bekanntlich wittern Tiere aufgrund ihrer guten Spürnase schneller die Gefahr als ihr geliebter Mensch.
Mit "Schade, dass Du nicht tot bist" ist Rita Mae Brown ein hervorragendes Krimi-Debut gelungen. Sie beschreibt liebevoll die Charaktere und man muss immer wieder schmunzeln über die Kommentare der Tiere. Besonders eindrucksvoll ist es, dass die Handlung wortlaufend ist und der Leser auf dem gleichen Stand wie die Charaktere sind. So kann der Leser selber Schlüsse ziehen und bleibt über nichts im Unklaren.
Ein sehr schönes Buch, dass wohl vor allem Katzenliebhaber anzieht. Es ist der erste Teil einer Reihe, die einem nicht mehr loslässt. Mir geht es jedenfalls so.

22.3.08 20:16, kommentieren

Bob Woodward: Bush at war

Den 11. September 2001 wird die Welt nicht so schnell vergessen. Nach den Anschlägen auf das World Trade Center schaute man nach Amerika und auf die Reaktion von George W. Bush, den amerikanischen Präsidenten. Wie würde der Kurs im Kampf gegen den Terrorismus aussehen? Wer sind seine Mitstreiter?
Bob Woodward gibt einen guten Einblick in die internen Debatten der Bush-Administration. Sein Buch zeigt die Motivation und die Denkweisen der Mächtigen von Washington. Es ist erstaunlich, wie schnell sich einige Politiker für einen Mlitärschlag gegen den Irak ausgesprochen haben.
"Bush at war. Amerika im Krieg." ist eine gute Dokumentation über die Geschehnisse nach dem 11. September, ohne dass es die Ereignisse bewertet.

1 Kommentar 2.3.08 15:55, kommentieren

Kerstin Gier: Für jede Lösung ein Problem

Gerry hat gelinde gesagt, die Schnauze gestrichen voll: Vom Leben, ihrer Familie und den ständigen Fragen "Wann heiratest Du denn endlich".
Gerry von Beruf "Groschenromanautorin" für Ärzteromane erfährt, dass ihr Verlag von einem anderen aufgekauft wurde und ihre Romanreihe eingestellt wird. Statt dessen sollen nur noch Vampirromane verlegt werden.
Für sie bricht eine Welt zusammen, denn wenn sie noch etwas am Leben gehalten hat, dann ihr Beruf, das einzige was sie kann: Schreiben. Denn ihr Studium der Germanistik hat sie abgebrochen.
Als wenn der Verlust ihres Jobs nicht schon schlimm genug für Gerry ist, verliebt sich ihre ältere Schwester in einen Typen, den Gerry glaubt aus der Internet-Single-Börse zu kennen und mit dem sie schlechte Erfahrungen gemacht hat. Ihre Schwester hält sie für neidisch, da sie keinen Mann abbekommt. Für Gerry besonders schlimm ist, dass ihre beste Freundin schwanger ist. Eigentlich ein frohes Ereignis, aber nicht für Gerry, die sich jetzt als einzige Single-Frau in der Clique sieht. Kurzum beschließt sie ihrem Leben ein Ende zu setzen.
Sie schreibt an alle einen Abschiedsbrief, wo sie mit den Lügen aufräumt und jedem ihre Meinung sagt. Briefe gehen an ihre Mutter, an ihre beste Freundin, ihre Schwestern, Freunden, Vermietern und auch an ihren Lektor heraus.
Die Frage ist nur, wie soll sie ihrem Leben ein Ende setzen? Wie es der Zufall so will, kommt ausgerechnet ihre Mutter ihr zu Hilfe mit Schlaftabletten. Diese soll Gerry eigentlich in die Apotheke zurückbringen für Menschen in der Dritten Welt. Aber so ist Gerrys Problem gelöst. Denkt sie zumindest.
Sie entschließt sich in einem Hotel ihr Leben ein Ende zu setzen. Aber erstens kommt anders als man denkt. Denn der Selbstmordversuch scheitert und sie sieht sich jetzt dem Problem mit den Abschiedsbriefen gegenüber, die sie alle schon vorher in den Briefkasten geworfen hat.
Was oder wer ihren Selbstmordversuch verhindert, wie sie mit der Konfrontation der Abschiedsbriefe und wie es mit Gerry weitergeht liest ihr am besten selbst.
Kerstin Giers "Für jede Lösung ein Problem" ist mehr als nur ein Liebesroman, er ist eine Komödie. Es ist witzig geschrieben, mit einem guten Schuss schwarzen Humor. Auch wenn es ein ernstes Thema ist, so bringt sie es mit viel Humor und Ironie rüber. Vor allem die Briefe haben es in sich und erst Recht die daraus resultierende Konfrontation mit den Menschen nach dem gescheiterten Selbstmordversuch. Ein gutes haben die Abschiedsbriefe von Gerry, sie verändern ihr Leben und das ihrer Mitmenschen.
Manchmal ist es einfach besser die Wahrheit zu sagen, als sie zu verschweigen und immer alles hinzunehmen. So die Kernaussage dieses Buches. Denn wer wirklich zu einem steht, merkt man meistens erst dann.

4 Kommentare 18.2.08 19:38, kommentieren

Andreas Etges: John F. Kennedy

John F. Kennedy war schon zu seinen Lebzeiten ein Mythos. Und für die Deutschen sicher seit dem Sommer 1963 in Berlin, wo er mit seiner Aussage "Ich bin ein Berliner" ein politisches als auch menschliches Zeichen setzte. Bereits vor seiner Ermordung nach "1000 Tagen" Präsidentschaft wurde er zum Mythos und bis heute bleibt die Faszination.
Die Biographie von Andreas Etges beschreibt die Familiengeschichte der Kennedys. Die Kindheit und Jugend und auch die ersten Wahlerfolge John F. Kennedys. Bereits da wurde laut Etges sein rethorisches Talent sichtbar. Welches ihm später neben seiner persönlichen Ausstrahlung und Fernsehtauglichkeit zum Präsidenten der USA machte. Kennedy war gerade mal 43 Jahre alt als er 1961 Präsident wurde und es erwarteten ihn einige außenpolitische Herausforderungen, die schwerste sicherlich die Kuba-Krise.
Etges hinterfragt in seiner Biographie die politische Leistungen der Präsidentschaft Kennedys und verklärt nicht die Präsidentschaft, sondern zeigt auch Fehler und Schwächen auf. Trotz allem bringt er die politische Leistung von Kennedy zur Geltung. Etges schreckt auch nicht davor zurück, Begebenheiten aus Kennedys Privatleben zu erwähnen. Wie die Fehlgeburten seiner Frau Jackie.
Besonders gut an dieser Biographie finde ich die Zeittafel und die große Bibliographie zu Kennedy. Weiterhin die farbigen Einschübe mit Aussagen von John F. Kennedy oder Beobachtern, die Erläuterung von Begrifflichkeiten, die Fotos. Dies alles rundet Etges Biographie ab.
Sie ist sehr gut lesbar und hat ihren Schwerpunkt eindeutig in der kurzen, aber ereignisreichen Präsidentschaft Kennedys von 1961 bis 1963.

1 Kommentar 16.2.08 17:38, kommentieren