Günther Wessel: Die Allendes. Mit brennender Geduld für eine bessere Welt

Die Allendes sind die politische Familie in Chile des 20. Jahrhunderts, am ehesten sind sie mit den Kennedys zu vergleichen. Eine Familie die alles erlebt hat. Sie kämpften für Freiheit und Gerechtigkeit, erlebten Revolutionen und Vertreibung, Exil, Untergrund, Träume und Tragödien. Sie kämpften nicht mit Waffen, sondern mit Wörtern. Günther Wesel begibt sich in seinem Werk auf die Spuren von Salvador Allende, dem ersten demokratisch gewählten kommunistischen Präsidenten Chiles, und seiner Familie. Ausgehend vom Großvater Ramón Allende Padin, der Mitte des 19. Jahrhunderts der gegen die Großgrundbesitzer kämpfte, sich für Bürgerrechte und eine Trennung von Kirche und Staat einsetzte, bis hin zu Isabel Allende, chilenische Schriftstellerin und Patenkind von Salvador Allende. Wesel zeigt den Aufstieg und Zerfall einer bedeutenden Dynastie.
Am 11. September 1973 putschte das chilenische Militär unter Pinochet Allende. Mit seinen Getreuen in der Moneda, dem chilenischen Regierungssitz verschanzt, war bereit bis zum Äußersten gegen die Putschisten zu kämpfen. Als diese schließlich den Regierungspalast stürmten, fanden sie Salvador Allende tot auf. An diesem Tag verlor Chile nicht nur seinen Hoffnungsträger, sondern auch seine Freiheit auf Jahrzehnte hinaus.
Allendes Familie floh aus Chile. Einige nach Venezuela, andere nach Kuba. Besonders im Schlusskapitel in dem Isabel Allende von dem Pinochet-Putsch berichtet, wird deutlich, dass die Familie, wie sie einmal nie wieder zusammenfinden würde. Sie war völlig zerstört, denn mit ihrer Vertreibung aus ihrer Heimatstadt Santiago de Chile und dem Verlust von Salvador Allende gab es keinen Zusammenhalt mehr.
Das Buch ist in Form einer langen Reportage angelegt und eine sehr interessante und gut geschriebene Familienbiographie. Sie bildet nicht nur die Familie Allende ab, sondern auch die jüngere Geschichte Chiles.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich habe sehr gerne gelesen. Wer einmal über den Tellerrand der politischen Familien hinaus schauen möchte und sich nicht nur für die Clintons und Bushs interessiert, ist mit diesem Buch gut beraten.

29.3.08 20:12

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