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Arto Paasilinna: Der wunderbare Massenselbstmord

Paasilinna schaut in die Seele der Finnen. Er beschreibt sie als ein Rezessionen, Umweltproblemen und gesellschaftspolitischen Gegebenheiten tief unglückliches Volk.

So ist es nicht verwunderlich, dass einige Bewohner dieses traurigen Landes auf die Idee kommen Selbstmord zu begehen.
Da einem allein der Mut dazu fehlt, planen sie einen kollektiven Massenselbstmord. Aber wie bewerkstelligt man den und vor allem wo? Denn man möchte ja keine hässliche Leiche sein und viele Zuschauer sollten auch nicht dabei sein.

So beginnt eine abenteurliche Reise von mehr als 30 Selbstmordkandidaten mit einem modernen Reisebus. Kreuz und quer durch Finnland, weiter zum Nordkap und Nordnorwegen, dann durch Schweden, Dänemark, Deutschland und Frankreich in die Schweiz. Überall verhindert irgendwas oder irgendwer die Tat.
Nach dem es auch in der Schweiz nicht klappt, entscheiden sie sich für die Fahrt nach Portugal. Wird es ihnen dort gelingen?

Paasilinna zeigt wie auch in seinen anderen Büchern ein gesellschaftskritisches Bild von Finnland auf. Bissig und ironisch, wie eh und je.

5.2.08 20:23, kommentieren

Mikael Niemi: Populärmusik aus Vittula

Eine Kindheit in Schweden ist nicht immer wie bei Pippi Langstrumpf oder Michel von Lönneberga. Sie kann auch anders sein, wie die von Matti aus Vittula im Norden Schwedens an der Grenze zu Finnland.
Er wächst in den 60er Jahren in einem Gebiet auf, dessen Wirtschaft sich auf Land- und Forstwirtschaft beschränkt. Kinder werden zwar zur Schule geschickt, aber lieber sehen es die Eltern, wenn sie auf dem Hof mitarbeiten.
Matti und sein Freund Niila, ein sehr stiller und depressiver Junge erleben das Erwachsenwerden zwischen Landwirtschaft, Kirche und den unruhigen 60er Jahren mit den gesellschaftlichen Umbrüchen und dem Aufkommen des Rock'n Roll.
Von der Leidenschaft zur Musik, vom Erwachsenwerden in einem Jahrzehnt des Umbruchs handelt "Populärmusik aus Vittula" von Mikael Niemi. Von der Abnabelung vom Elternhaus, von den Denkweisen der älteren Generation durch die Musik. Manche werden sicher die Aussagen von Eltern bzw. Großeltern in den Ohren haben "Mit der Musik konnte man damals anecken." So ergeht es Matti und Niila auch, Musik wurde nicht als Berufung angesehen, sondern mehr als unnützer Zeitvertreib.
Matti blickt auf seine Kindheit zurück ohne sie zu verklären oder zu verherrlichen.
"Populärmusik aus Vittula" von Mikael Niemi verwundert über seinen Anfang, wenn man diesen Anfang mal überwunden hat, fesselt einen das Buch. Für alle die junge Literatur aus Skandinavien mögn oder mal was neues ausprobieren wollen, ist dieses Buch zu empfehlen.

11.2.08 19:43, kommentieren

Derzeit lese ich...

So ich habe mal ein Buch aus meinem Stapel der ungelesenen Bücher rausgekramt.
Mark T. Sullivan's Toxic. Ein Thriller. Spannend geschrieben. Es geht um einen Mörder, der mit Giftschlangen tötet. Wenn ich es zu Ende gelesen habe, wird es hier auch eine Rezension geben.

Kürzlich zu Ende gelesene Bücher:

Akif Pirincci - Salve Roma!
Kerstin Gier - Für jede Lösung ein Problem
Nicholas Sparks - Ein Tag wie ein Leben

12.2.08 21:31, kommentieren

Akif Pirincci: Salve Roma!

Francis Herrchen Gustav hat nach langer Zeit wieder einen Arbeitsauftrag für eine Ausgrabung, die ihn nach Rom führt. Zu Francis' Ärger, soll er nicht mit, sondern in die Pension "Pfote" abgeschoben werden. Doch Francis wäre nicht Francis, wenn er nicht einen Weg finden würde doch mit auf die Reise zugehen und die Stadt seiner Träume unsicher zu machen.
Jedoch verläuft sein Urlaub anders als erwartet. Kaum in Rom angekommen ist er auch schon wieder in einen Mordfall verstrickt. Eine Katzendame wurde getötet und man bietet den gerade eingetroffenen Francis den Schutz der "Katzenmafia" an. Er lehnt sie ab und mit seinem neuen Freund begibt er sich auf die Suche nach dem Mörder.
In den unterirdischen Katakomben begegnet er einer Gruppe religiöser Fanatiker, die Katzen in einen Käfig eingesperrt haben und er befürchtet, dass diese Fanatiker hinter den Mord an den Straßenkatzen stecken. 
Auf seiner weiteren Hast nach dem Mörder kommt er in den Vatikan, findet er sein Herrchen Gustav im Forum Romanum wieder, den er auf dem Flughafen verloren hat. Und wie in jeder guten Geschichte findet er auch seine große Liebe.
Aber wer ist nun der Mörder der Katzen? Die religiöse Fanatikergruppe, der Mann in den Katakomben, der von zwei mysteriösen Männern verfolgt wurde oder vielleicht so gar diese? Liest das Buch selbst, ihr werdet überrascht sein. Wer de Mörder ist und welches Motiv er hat.
Pirinicci führt uns in "Salve Roma" auf eine Reise durch Rom. Während Francis' Mörderjagd beschreibt er das Stadtbild und gibt Einblicke in die Geschichte und lateinische Sprache, vor allem in Francis' Dialogen mit seiner geliebten Katzendame. Durch seine vielen Wendungen ist das Buch interessant und spannend. Auch wenn es sich streckenweise etwas zieht.
Wie auch in seinen vorherigen Felidae-Krimis "Cave Canem" und "Das Duell" hält er der menschlichen Gesellschaft einen Spiegel vor. War es in "Cave Canem" der Schrecken des Krieges und im "Das Duell" Tierversuche, so zeigt er hier ein anderes Grauen auf. Aber mehr wird nicht verraten.

1 Kommentar 13.2.08 21:17, kommentieren

Nicholas Sparks: Ein Tag wie ein Leben

Wilson vergisst seinen 29. Hochzeitstag und die Ehe gerät ins Schwanken. Kann daran wirklich nur der vergessene Hochzeitstag Schuld sein? Oder gibt es da noch mehr Gründe?
Wilson, ein erfolgreicher Anwalt und Vater von drei erwachsenen Kindern hinterfragt sein Leben,als seine Frau Jane plötzlich ohne ihn Urlaub bei ihrem Sohn in New York machen will. Denn ein Leben ohne seine Frau Jane kann er sich einfach nicht vorstellen.
Er lässt ihr gemeinsames Leben Revue passieren und erkennt, dass er nie wirklich in seiner Familie vorhanden war. Nicht als aktives Familienmitglied, sondern eher wie ein Gast und Beobachter. Wilson erkennt, dass er was verändern muss, wenn Jane ihn wieder lieben soll. Denn diese Frage beschäftigt ihn unentwegt: Liebt sie ihn noch?
Er entschließt sich sein Leben zu ändern. Das erste Mal seit Jahren macht er wieder länger Urlaub. Denn er hat was großes vor. Und damit dies gelingt spannt er alle Freunde, Verwandte und auch seine Kinder ein.
Aber wie es nun einmal so ist, passieren im Leben eines Menschen oft ungeplante Dinge. So will seine älteste Tochter ausgerechnet am elterlichen Hochzeitstag heiraten, seine Frau will dafür ein großes Fest und sein Schwiegervater Noah, der glaubt, dass seine tote Frau in einen Schwan wiedergeboren wurde, fällt über eine Wurzel und verletzt sich am Kopf. Dies alles hindert Wilson aber nicht daran, seinen Plan zur Rückeroberung von Jane aufzugeben und einen unvergesslichen Hochzeitstag zu planen. Wird es Wilson gelingen?
Nicholas Sparks "Ein Tag wie ein Leben" birgt viele kleine Begebenheiten, die einen berühren. Sei es Noahs Gespräche mit dem Schwan und seinen unendlichen Glauben daran, dass seine geliebte Frau in ihm zurück gekehrt ist. Oder die vielen kleinen Überraschungen die Wilson für seine Jane macht. Wer romantisch veranlagt ist und gerne Romane über Liebe liest, tut gut daran dieses Buch zu lesen.

14.2.08 21:02, kommentieren

Peter Prange: Die Philosophin

Für Sophie Volland ist am Tag ihrer Erstkommunion die Welt noch in Ordnung. Dies ändert sich als sie mit elf Jahren erleben muss, wie ihre Mutter als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird. Vorgeworfen wurde ihr Hexerei, die Liebe zu einem Mann und die Liebe zu Büchern. Sophie wächst im Kloster auf, geht nach Paris und arbeitet als Kellnerin im Café Procope. Einen Sammelpunkt für Dichter und Denker. Aber zeit Lebens hat sie Angst vor der Liebe und den Büchern. Denn sie kann nicht vergessen, was mit ihrer Mutter geschehen ist. Die Zeit in der sie lebt ist eine Zeit des Aufbruchs und Umbruchs, die Zeit der Aufklärung. Die Zeit vor der Französischen Revolution.
Im Café Procope lernt sie den Philosophen und Aufklärer Denis Diderot kennen. Der am größten und gefährlichsten Werk der Geschichte arbeitet, an einer Enzyklopädie. Eine Enzyklopädie des Wissens, die sowohl Staat als auch Kirche zu bedrohen scheint. Trotz all ihrer Ängste verliebt sie sich in ihn. Durch ihn hat sie den Mut, ihrer Leidenschaft den Lesen nachzukommen. Dadurch erkennt sie auch ihre Intelligenz und beginnt selber Traktate zur Enzyklopädie zu schreiben. Sie redigiert und verändert den Inhalt, um die Enzyklopädie zu retten. Denn Wissen ist Macht. Und für Kirche und Staat im ausgehenden 18. Jahrhundert ist es einfach zu gefährlich, wenn das gemeine Volk zu Wissen hätte. Denn dies würde das Gesetz Gottes außer Kraft setzen, meint jedenfalls der Beichtvater der Königin, und bittet auf ihren Mann einzuwirken, um die Enzyklopädie zu verhindern. Die Vorherrschaft der katholischen Kirche soll ungebrochen sein. Sie setzt alle Mittel und Hebel in Bewegung um das Erscheinen der Enzyklopädie zu verhindern, sie verleumdet die Philosophen und Gelehrten.
Erfolge haben beide Seiten zu verbuchen, sowohl die Kirche als auch die Philosophen. Erst ein Attentat auf Louis XV gibt der katholischen Kirche den entscheidenden Fakt und Rom setzt 1759, ein Jahr nach dem Attentat, die Enzyklopädie auf den Index. Hat die katholische Kirche nun gewonnen oder gelingt es Sophie Volland doch noch, dass Denis Diderots Lebenswerk die Enzyklopädie veröffentlicht wird? Jedenfalls tut sie alles dafür. Wie auch Diderot, der seine philosophischen Ansichten über sein Leben und seine Liebe zu Sophie stellt, so tut diese es jetzt auch.
Peter Prange entführt uns in das Frankreich kurz vor der Französischen Revolution. In "Die Philosophin" führt uns durch zwanzig Jahre des 18. Jahrhunderts. Eine Zeit der Aufklärung. Ein sehr gut geschriebener historischer Roman, der einem nicht nur das Jahrhundert, sondern auch die Philosophie näher bringt. Spannend und man fiebert mit, wie die Geschichte nun ausgehen wird. Jede Seite sehr gerne gelesen.

1 Kommentar 15.2.08 21:59, kommentieren